4. September 2025

Der Papierprinzessin neue Kleider – oder: Was wäre ein Leben ohne Geschichten?

In diesen Tagen erscheint die dritte Ausgabe der Papierprinzessin. Im dritten Verlag, mit dem dritten Cover und dem ebenso dritten Layout.

Mich stimmt dieser Umstand sehr glücklich, denn er zeigt mir, dass dies eine Geschichte zu sein scheint, die immer noch gelesen werden will und Menschen erreichen kann.

Für mich nahm die Geschichte auf einem Konzert der schottischen Sängerin Amy MacDonald mit eben jener Frage ihren Anfang, die in der Überschrift steht: Was wäre ein Leben ohne Geschichten? Direkt gefolgt von dem Gedanken: Können wir uns Geschichten überhaupt vollkommen entziehen? Und: Welche Macht haben Worte?

Also schrieb ich die Geschichte von Amelia May und ihrer Schwester Matilda. Und anders als sonst, teilte ich kleine Schnipsel in sozialen Medien und fand dort die ersten Menschen, die an die Papierprinzessin glaubten. Allen voran Markus Heitkamp, dem ich dafür heute noch sehr dankbar bin.

Und dann fand ich einen Verlag. Doch da begann es schon, holprig zu werden, und dass die erste Ausgabe überhaupt gedruckt wurde, ist heute noch als eine Art Wunder zu sehen, und trotzdem auch die Erfüllung eines Traums. Hardcover. Ein wunderschönes Cover, gestaltet von Vroni Schnattinger. Mehrfarbiger Innendruck wie bei der unendlichen Geschichte. In meinen Augen ein bibliophiles Schmuckstück.

Aber dann … verschwand der Verlag auf sehr unschöne Weise, von denen viele dunkle Geschichten erzählen können und wo man sich ein bisschen fragt, wie das denn noch mal mit der Gerechtigkeit so ist. Hoffen wir auf Karma.

Das Ende ist das gleiche: Die Papierprinzessin war fort. Wenige Exemplare hatte ich noch.

Aber sie hatte Glück. Grit Richter nahm die Papierprinzessin in das Programm ihres Art Skript Phantastik Verlages auf und schneiderte ihr ein ganz neues Kleid und ich wähnte Amelia und Matilda in Sicherheit. Doch Sicherheit ist trügerisch, und leider wurde der Verlag Ende 2024 geschlossen – gerade mal etwas über ein Jahr, nachdem die Prinzessin wieder in die Buchwelt zurückgekehrt war.

Und nun? Wieder waren da noch vereinzelte Bücher, die ich mit auf Veranstaltungen nehmen konnte. Aber kein: „Natürlich kann man es im Buchhandel oder online bestellen“, sondern lediglich: „Das sind die letzten Exemplare“.

Bis Jenny Schreiner sich meldete. Tatsächlich kenne ich Jenny und ihren Verlag schon sehr lange, und sie schrieb mir, dass sie die Papierprinzessin gerne übernehmen würde. Wenige Tage nach einem ersten Telefonat unterschrieb ich den neuen Vertrag, erfuhr überglücklich, dass Ulrike Grabowski, die ich ebenfalls schon sehr lange kenne, das neue Cover gestalten würde.

Nun ist sie da.

In ihrem dritten Kleid. Das wieder ganz anders ist als das zweite.

Das ist die Geschichte um die Papierprinzessin. Und gleichzeitig meine Antwort auf die Frage, die ich mir stellte, als ich sie schrieb: Das Leben ist kein Leben ohne Geschichten. Es wäre vollkommen leer. Denn jeder noch so kleine Moment birgt eine Geschichte, jeder Mensch und manchmal sogar die Dinge, die wir berühren.

Auch deswegen bin ich glücklich, dass zwischen den Buchdeckeln der Papierprinzessin nicht nur weiterhin die Geschichte und die wunderschönen Illustrationen von Jana Damaris Rech darauf warten, gelesen und entdeckt zu werden, sondern auch die Antworten viele meiner Autorenkolleg*innen und Freund*innen, die mir erzählt haben, was Geschichten für sie sind.

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